Start up. Grow up. Succeed.

Neos Technologie kommt in der Klinik an

Nach der Übernahme des Kölner Diagnostikunternehmens Neo New Oncology durch Siemens Healthineers vor knapp drei Jahren wurde es ruhig um den Flüssigbiopsietest zur Krebscharakterisierung. Seit kurzem läuft ein System von Neo am Städtischen Krankenhaus Braunschweig - allerdings mit Gewebematerial. 

In Braunschweig entscheidet ein sogenanntes Tumorboard, also ein Zirkel aus Krebsexperten vom Pathologen bis zum Radiologen, darüber, ob und wie der Tumor eines Patienten molekulardiagnostisch analysiert wird. Die Kosten werden dabei bei gewissen Voraussetzungen bereits von etlichen Krankenkassen übernommen. „In Bezug auf die Erstattung kommen wir in den Gesprächen mit den Krankenkassen immer häufiger auf einen gemeinsamen Nenner”, so Siemens Healthineers-Sprecher Heiko Jahr gegenüber transkript.de.

Zwar sind bereits an einigen Universitätskliniken in Deutschland derlei Systeme im Einsatz, doch das in Braunschweig installierte System (Foto) sei laut Jahr aufgrund eines leistungsfähigen Next-Generation-Sequencing-Geräts das modernste. Siemens hofft, dass das Beispiel Braunschweig zeigt, dass sich moderne Krebsmolekulardiagnostik auch für regionale Klinikverbünde rechnet.

Mit der von Neo New Oncology etablierten Technologie (von Siemens 2016 aufgekauft) können Pathologen mit einem einzigen diagnostischen Test viele für eine Behandlungsentscheidung relevante genetische Veränderungen erkennen. Nicht NGS-basierte Diagnoseverfahren liefern laut Siemens in der Regel nur ein unvollständiges Bild. Zudem dauerten alternative Molekulardiagnostikverfahren oft deutlich länger. Dadurch bestehe das Risiko, dass Patienten, die von einer gezielten Behandlung profitieren könnten, nicht rechtzeitig identifiziert werden können. Der erhoffte Hauptnutzen des Systems ist eine verbesserte Entscheidungsfindung, was die Therapie des Patienten angeht. So liefern die molekularen Daten zum Beispiel Hinweise, ob zielgerichtete Immuntherapien helfen können oder eher nicht.

Als Ausgangsmaterial wird am Städtischen Krankenhaus Braunschweig ein Gewebebiopsat genutzt. Siemens Heathineers setzt aber auch weiterhin auf Neos Ansatz, die molekulare Analyse von Tumoren künftig anhand einer Flüssigbiopsie durchzuführen. So wird Neos Neoliquid-Test zum Beispiel innerhalb des Lungennetzwerks NOWEL genutzt. Bei einer minimal-invasiven Flüssigbiopsie werden dem Patienten nur wenige Tropfen Blut entnommen. Untersucht wird die im Blut zirkulierende Tumor-DNA an. Der mit viel Medienrummel angekündigte und unter Experten umstrittene Flüssigbiopsie-Test des Start-ups Heiscreen soll sogar prädiktiv sein, funktioniert also auch, wenn der Tumor noch sehr klein ist.

Gegenüber transkript.de streicht Georges Belderbos, Marketingchef bei Neo New Oncology, die allgemeinen Vorteile einer Flüssigbiopsie-Entnahme heraus: „Die Liquid Biopsy ist insbesondere relevant, wenn damit Patienten, bei denen nicht genug Gewebe für eine molekular-pathologische Analyse zur Verfügung steht, eine invasive Rebiospie erspart werden kann. Eine umfassende Diagnostik anhand einer Liquid Biopsy, die sich nicht auf Einzelgenanalysen beschränkt, ist derzeit im Rahmen von Verträgen zur besonderen Versorgung über das Lungennetzwerk NOWEL.org möglich.” Dank eines integrierten Versorgungsvertrags haben Versicherte der Barmer GEK / Deutschen BKK, der Audi BKK, der Siemens-Betriebskrankenkasse SBK und der Techniker Krankenkasse die Möglichkeit, eine Flüssigbiopsie als Alternative zu einer invasiven Rebiopsie zu wählen, wenn sie an nicht operablen Lungentumoren leiden.

Anmerkung: In einer ersten Version des Berichts wurde der Eindruck vermittelt, am Städtischen Krankenhaus Braunschweig komme der Flüssigbiopsie-Test zum Einsatz. Die Flüssigbiopsie ist momentan aber nicht Teil der Kooperation zwischen Neo New Oncology und der Städt. Klinikum Braunschweig gGmbH (Institut für Pathologie).

© transkript.de/ml

Link zum Originalartikel: https://transkript.de/news/neos-technologie-kommt-in-der-klinik-an.html